Flächenvorbereitung

Auf vielen Flächen kann die Artenvielfalt allein durch ein verändertes Mahdregime erhöht werden. Wurden jedoch zu viele Nährstoffe angereichert und dominieren Gräser, Wurzel- oder Ackerunkräuter, so dass die Entwicklung einer krautreichen Vegetation aussichtslos erscheint, sind mechanische Bodenbearbeitungsmaßnahmen angemessen. Damit können die vorherrschenden Pflanzen sowie deren Samenpotenzial reduziert und eine günstige Oberflächenstruktur des Bodens für die Aussaat von gebietseigenen Pflanzen geschaffen werden.

Bodenbearbeitung
Im ersten Schritt wird die unerwünschte Vegetation entfernt oder gemulcht (mähen mit gleichzeitigem Zerkleinern) und anschließend umgegraben oder umgepflügt. Nach dem erneuten Aufwuchs von Samen- und Wurzelkräutern wird die Fläche mit einer Bearbeitungstiefe von etwa 10–15 cm gegrubbert. Dieser Arbeitsgang kann nach erneutem Aufwuchs ein zweites Mal mit einer Bearbeitungstiefe von 2–5 cm wiederholt werden, womit gleichzeitig eine günstige Oberflächenstruktur des Bodens für die Aussaat hergestellt wird.

Aussaat
Da die Samen der meisten gebietseigenen Pflanzenarten des mitteldeutschen Raumes im Spätsommer bis Herbst reifen und nach den ersten größeren Niederschlägen keimen, ist der Herbst eine günstige Zeit für die Aussaat. In Regionen mit kurzer Vegetationszeit, wie den Hochlagen der Mittelgebirge, ist dagegen eine Frühjahrsaussaat zu empfehlen. Einige Arten benötigen Temperatur- und/oder Feuchtewechsel, damit die Keimruhe ihrer Samen beendet wird. Sie laufen dann meist im Folgejahr auf und wenige Spezialisten benötigen sogar mehrere Jahre bis zur Keimung. Verwende stets gebietseigenes Saatgut (siehe unten). Es sollte am besten vor ergiebigen Regenfällen mit der Hand ausgestreut sowie auf Sand und feinerdereichen Standorten angedrückt (angewalzt) werden, um den Bodenschluss der Samen zu gewährleisten. Auf Böden mit ungenügender Krümelstruktur (Rohböden, Löss) oder geneigten Flächen empfiehlt sich die Abdeckung mit einer dünnen Schicht aus Heu, frischem Mahdgut, Holzhäcksel oder feinen Zweigen. Die Samenmischung wird entsprechend dem gewünschten Verhältnis der einzelnen Arten pro Flächeneinheit zusammengestellt. Pro Quadratmeter sind etwa 2.000–5.000 Samen (1–5 g) nötig. Damit werden Dichten von 200–400 Pflanzen/m² erzielt, die sich optimal entwickeln können. Zu dichte Pflanzenbestände hemmen die Wurzelentwicklung und werden dadurch anfälliger gegen Trockenheit. Deshalb sollte nicht zu viel Saatgut verwendet werden.

Gebietseigenes Saatgut

Der Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten e.V. produziert zertifiziertes, regionales Saatgut einheimischer (autochthoner) Wildpflanzen von naturnahen Wildstandorten für naturschutzgerechte Begrünungen.
Für sächsische Regionen kann solches Saatgut über www.saale-saaten.de und www.rieger-hofmann.de bezogen werden. Auf den Seiten finden sich zudem viele hilfreiche praktische Informationen.



Literatur

Offenberger, M. 2017: Wiesenpflanzen aus regionalem Saatgut sind ortsfremden Sämlingen überlegen – ANLiegen Natur 39/1


Die Mahd

Schon bei nur einer Mahd pro Jahr werden, je nach eingesetzter Mahdtechnik, 10–50% aller Insekten auf der Fläche getötet und bei zwei- bis dreifacher Mahd verschwinden auch die letzten Schmetterlinge. Dennoch muss eine Wiese gemäht werden, um sie als solche zu erhalten, sonst wächst sie mit Sträuchern und Bäumen zu. Deshalb betreffen die wichtigsten Handlungsempfehlungen, um Tagfalter auf einer Offenfläche zu fördern, die Mahd.
Seltener mähen: Pflanzen und Schmetterlinge brauchen Zeit, um sich entwickeln zu können. Pflanzen müssen Blätter und Blüten entfalten, damit sich Raupen und Falter von ihnen ernähren können. Deshalb sollte eine Fläche nur ein- bis dreimal pro Jahr oder auch nur jedes zweite Jahr gemäht werden. Diese Anzahl der Mahdtermine richtet sich nach der Nährstoffversorgung der Standorte und der daraus resultierenden Wüchsigkeit der Vegetation. Auf nährstoffarmen (oligotrophen) Standorten kann eine Mahd pro Jahr oder aller zwei Jahre ausreichend sein. Bei mittlerer (mesotropher) Nährstoffversorgung sind zwei, und bei starker Nährstoffversorgung drei Mahdtermine im Jahr zu empfehlen.  
Nicht die gesamte Fläche mähen, sondern stets etwa 10 - 30% der Fläche mit ihrer Vegetation und den daran lebenden Insekten ungemäht belassen. So kann bei jedem Mahdtermin ein Teil der Insektenpopulationen überleben, sich weiter entwickeln und später von hier aus die gemähten Bereiche wieder besiedeln.
Die Mahd kann streifenweise, mosaikartig oder auch selektiv erfolgen, so dass gezielt bestimmte Pflanzenbestände von der Mahd ausgeschlossen werden. Auch über den Winter muss Vegetation erhalten werden, weil daran Raupen und Puppen die kalte Jahreszeit überdauern.
Schneidende Mahdwerkzeuge benutzen: Die Insektenverluste können auch auf der zu mähenden Fläche reduziert werden, wenn schneidende Mahdwerkzeuge zum Einsatz kommen. Die derzeit gebräuchlichsten Mähgeräte besitzen Rotationswerkzeuge (zu denen auch der Rasenmäher gehört), welche die Vegetation (und die Insekten) mehrfach schneiden, schlagen und zerkleinern, so dass es zu erheblichen Ausfällen bei den Insekten kommt. Diese Technik ist deshalb nicht zu empfehlen. Von der Verwendung von Mulchgeräten ist ganz abzuraten, da diese die Vegetation extrem stark zerkleinern und das Mulchgut auf der Fläche belassen. Unter dem Mulchgut kommt es zu Licht- und Luftabschluss und Feuchte fördert die Schimmelbildung.  
Stattdessen sollten schneidende Werkzeuge wie Balkenmäher (Einachsgeräte) und Handsensen zum Einsatz kommen, welche die Vegetation nur in einer horizontalen Ebene schneiden, sodass sowohl unterhalb als auch oberhalb der Schnittebene Insekten überleben können. Eine Schnitthöhe von 8–10 cm ist zu empfehlen, weil so am Boden lebende Tiere sowie die Rosetten von Pflanzen und die daran lebenden Entwicklungsstadien der Insekten geschont werden.

Mahdgut beräumen: Verbleibt das Mahdgut drei bis sieben Tage auf der Fläche, können Insekten von den gemähten Flächen in benachbarte, nicht gemähte Vegetation ausweichen und sich dort weiter entwickeln. Dies vermindert wiederum die Insektenverluste bei der Mahd.
Wichtig ist, das Mahdgut mit Rechen und Heugabel komplett von der Fläche zu nehmen, damit keine Streuauflage entsteht und die Lückigkeit für die Entwicklung krautiger Pflanzen erhalten bleibt. Die Anzahl der Arbeitsgänge, auch bei der Heugewinnung, sollte möglichst gering gehalten werden, um eine übermäßige Beschädigung der in der Vegetation und am Boden lebenden Entwicklungsstadien durch Tritt und Befahren zu vermeiden. Die ungemähten Bereiche sollten bei der Heuberäumung nicht befahren oder betreten werden.
Wann soll gemäht werden? Diese Frage ist auch unter Experten stets umstritten. Gilt es eine krautreiche Vegetation zu fördern, sollte der Schnitt erfolgen, wenn die Gräser in Blüte stehen. Gilt es bestimmte Insektenarten zu fördern, kann die Flugzeit der Tiere ein optimaler Mahdtermin sein, weil diese vor der Mähmaschine in die benachbarten Flächen ausweichen können. Wichtig ist, dass anschließend Nektar- und Eiablagepflanzen zur Verfügung stehen (vergleiche die Angaben zu den einzelnen Schmetterlingsarten). Die Tageszeit hat einen großen Einfluss auf mögliche Tierverluste. Bei Sonnenschein sind nachtaktive Raupen am tiefsten verborgen, und die Falter fliegen vor dem Mähwerk davon, während sie in den Morgen- und Abendstunden in der Vegetation ruhen. Es gibt aber keinen Zeitpunkt, zudem man durch die Mahd keinerlei Schaden an Pflanzen und Tieren verursachen kann.


Goldene Regel: Eine räumlich und zeitlich differenzierte Wiesenpflege trägt dazu bei, möglichst viele Pflanzen-, Insekten- und Vogelarten auf einer Wiese zu fördern.

Ordnung muss sein!
Manche Leute mögen eine wenig gemähte Fläche für ungepflegt und unordentlich halten. Mähe den Randstreifen der Fläche regelmäßig und stelle ein Schild „Schmetterlingswiese“ auf, damit sie wissen, dass sich hier jemand um die Fläche kümmert.